Hier nun endlich mein Interview mit Marc von den Dropkick Murphys. Geführt am 22.8.2005 in Coesfeld. Eine ausführliche Einleitung folgt in den nächsten Tagen!
Euer neues Album startet mit dem Song "Your Spirits Alive", gewidmet eurem verstorbenen Freund Chickenman...
Marc: Oh ja; Chickenman Riley, er war ein guter Freund von uns und einfach ein großartiger Typ. Er kam immer mit auf Tour und war so ne Art Therapeut für uns. Er war so ne Person, die dich immer wieder zum lächeln bringen konnte wenn man du gerade mal schlecht drauf warst. Er kam halt immer einfach so mit, zum Helfen, zum Abhängen und so. Er war ein super Kumpel für uns alle. Letztes Jahr starb er bei einem Motorradunfall, da wollten wir ihm durch dieses Album einfach Tribut zollen. Er bedeutete uns ne Menge und wir ihm auch.
War es dann so ne Art Therapie für euch diesen Song zu schreiben?
Marc: Ja so in der Art. Ich sage nicht gerne "Emo", aber es war ne ziemlich emotionale Sache und irgendwie mußten wir seinen Tod ja verarbeiten. Darum war es gut für uns diesen Song zu schreiben und außerdem gerät er so nicht in Vergessenheit.
Dann gibts da auch noch einen Song über einen Boxer namens Mickey Ward...
Marc: Ja das kam mehr so von den älteren in der Band. Die interessieren sich fürs Boxen, ich weniger... Im Song gehts halt um Mickey Ward aus Lowland Massachusetts, welcher mit Ken befreundet ist und Ken schrieb einen Song drüber. Er ist in Massachusetts so ne Art Legende, begann schon ganz jung mit dem Boxen und wird deswegen von vielen dort als Held verehrt.
Die anderen interessieren sich wohl mehr für Sport als du...
Marc: Auf jeden Fall. Ich bin ein unsportlicher Typ und spiel auch in meiner Freizeit am liebsten Gitarre oder andere Instrumente. Das ist eher mein Ding.
Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der neuen Platte und den älteren?
Marc: Also natürlich mag ich Blackout, aber auf die bin ich nicht sooo stolz, weil da mußte ich mich noch ziemlich ans Songwriting gewöhnen und war diesbezüglich auch noch nicht so intensiv involviert. Blackout war noch so ne Art Trainingsphase aber jetzt haben wir uns besser kennengelernt und kennen unsere Persönlichkeiten besser. Das hat das Songwriting und eigentlich die gesamte Arbeit an der neuen Platte viel einfacher gemacht. Bei Blackout sind wir auch geradezu "blind" ins Studio gegangen, dass war diesmal schon alles viel besser geplant und ausgefeilter. Dave Bianco hat uns bei der Produktion geholfen und echt einen super Job gemacht. Er arbeitete schon mit Leuten Danzig, Spinal Tap, Bruce Springsteen, Tom Petty, also mit richtig großen Künstlern. Es war sehr cool mit ihm arbeiten zu können.
Wie läuft bei euch denn eigentlich das Songwriting so ab?
Marc: Also bei diesem Album war es oft so, dass zum Beispiel jemand mit einem Gitarrenriff ankam, jemand anders dann eine Textidee dazu hatte, ein anderer dann ne Gitarrenmelodie usw.. Jeder bringt so seine kleinen Ideen und Einfälle mit ein und gemeinsam mit den anderen wird es dann zu einem ganzen Song.
Ich stell es mir ziemlich hart vor, alte Songs aus dem Liveset zu kicken um Platz für die neuen zu machen...
Marc: Oh ja. Besonders als wir die Warped Tour gespielt haben, da darf man ja immer nur 30 Minuten spielen. Wir wollen natürlich gerne möglichst viel vom neuen Album spielen, weil die alten Sachen werden ja auch etwas langweilig mit der Zeit. Für uns zumindest. Darum spielen wir lieber etwas mehr vom neuen Album, aber versuchen natürlich die alten Klassiker im Set zu lassen. Dann können alle mitsingen, auch die die das neue Album noch nicht haben.
Welche neuen Songs werdet ihr heute abend spielen?
Marc: Äh... wart ab dann wirst du es sehen.
Hast du es vergessen?
Marc: (lacht) Ne, ich weiß es natürlich. Aber du mußt dich schon noch etwas gedulden!
Du hast ja schon erwähnt, dass ihr gerade erst die Warped Tour in den Staaten gespielt habt. Ihr seid ja echt ständig auf Tour.
Marc: Also die Warped Tour ging zweieinhalb Monate und jetzt bei dieser Tour hier sind wir nur knapp ne Woche unterwegs. Bis September haben wir dann erstmal nichts mehr und können uns ein wenig ausruhen. Danach möglicherweise ne US-Tour und wahrscheinlich kommen wir dann so Dezember/Januar wieder rüber zu euch. Vielleicht auch erst etwas später in 2006, dass ist noch nicht alles so sicher.
Macht dir das viele Touren denn immer noch Spass?
Marc: Weißt du, ich mag es einfach Musik zu machen und vor Leuten zu spielen. Wenn ich zu hause bin fang ich meistens gleich wieder an Klavier oder Gitarre zu spielen und alle halten mich dann für bescheuert und meinen: "Was machst du da!? Du bist zu hause, lass das Musikmachen mal sein und entspann dich...". Ich mach das weil ich es liebe. Keine Ahnung. Ich hab da kein Problem mit.
Ich glaube du kannst von euch allen die meisten Instrumente spielen, oder?
Marc: Tim beherrscht noch mehr Instrumente als ich. Er spielt jetzt ja live Tin Whistle, Akkordeon und so. Als er noch nicht in der Band war hab ich das ja zum Teil noch gemacht. Ich spiele jetzt live noch Klavier und auf der neuen Platte ein bißchen Banjo und sowas. Aber jetzt spielt in erster Linie er die ganzen ausgefallenen Instrumente; Akkordeon, Tin Whistle, Mandoline und spielt auch sehr gut Banjo. Zusammen könnten wir ne Ein-Mann-Folkband gründen, besser gesagt Zwei-Mann...
Ich hab gehört, dass letztes Jahr euer großes Banner gestohlen wurde?
Marc: Ja das stimmt, aber ich glaube wir haben es zurückbekommen. James, haben wir es zurück (James ist gerade im Bus um etwas zu holen)?
James: Ja, haben wir.
Marc: Ich bin mir nicht sicher wer es gestohlen und wer es zurückgebracht hat, aber "fuck you and thanks"!
Weißt du eigentlich, dass es hier in Deutschland ne ziemlich bekannte deutschsprachige Version von "The Wild Rover" gibt?
Marc: Al spricht Deutsch, dass war seine erste Sprache, er hat hier als Kind ne Zeit lang gelebt. Er labert manchmal irgendwas auf Deutsch und ich versteh dann kein einziges Wort mehr. Als wir "Wild Rover" aufnahmen, hat er uns natürlich auch von der deutschen Version erzählt.
Wär es nicht lustig, wenn Al es live mal mit den deutschen Lyrics versuchen würde?
Marc: Ja das haben wir auch schon mal überlegt. Al hat versucht es zu machen, aber es war sehr schwer für ihn die Wörter in seinem Kopf zu tauschen. Irgendwo hat er es auch mal bei einer Show probiert, frag mich nicht wo genau, aber es hat nicht so wirklich geklappt.
Viele Fans haben Dropkick Murphys Tattoos; es muß ein komisches Gefühl für euch sein, wenn sich Leute dafür entscheiden, euren Bandnamen ein Leben lang in ihrer Haut zu tragen!?
Marc: Ja das ist schon verrückt. Die werden es ihr ganzes Leben lang mit sich tragen, ihre Kinder werden sie nach der Bedeutung fragen und so. Aber es ist echt großartig, so cool und loyal und für die Träger ist es natürlich auch toll, wenn sie nach außen tragen können wie stark sie sich mit uns identifizieren können. Ich bin übrigens ein großer Rolling Stones Fan (zeigt uns seine Stones-Zunge auf dem Oberarm). Es macht einen natürlich wahnsinnig stolz, wenn jemand die Band so liebt. Darum; cheers on all you guys!
Gibt es immer noch Pläne für ein Akustik-Album?
Marc: Wir würden das wirklich sehr gerne machen. Es ist noch nicht so ganz sicher, wir planen nie so lange im voraus, aber das behalten wir auf jeden Fall noch im Auge. Wir möchten das unbedingt machen, müssen aber ja auch erstmal passende Songs schreiben. Anfangs wollten wir es mit alten Songs machen, wir sind nunmal faule Songwriter, aber dann haben wir uns gedacht, dass es mit neuen Songs besser wär. Tja, wir ändern eigentlich ständig unsere Pläne. Man wird sehen was die Zukunft so bringt, aber das haben wir auf jeden Fall noch in der Hinterhand.
Auf eurer DVD sind Aufnahmen von deiner Geburtstagsparty. Es sieht fast aus als würden dich die anderen da vergewaltigen...
Marc: (lacht) Yeah! Das war sogar in Deutschland. Ich hab den Namen des Clubs vergessen, es war so ne riesige Fabrik, zum Backstagebereich mußte man richtig hohe Treppen hoch. Scheisse wo war das noch? Naja egal... Sie haben mir die ganze Zeit Wedgies gegeben und Colin von RUNNING RIOT hat es einmal sogar bis über meinen Kopf gezogen; ich habe geschreit wie ein Mädchen. Das war mein 18ter und die anderen haben mich übelst abgefüllt. Erinnerst du dich an die Szene wo ich auf dem Boden liege und mich mit den Füßen anschiebe um vor den anderen zu flüchten. Ich kann mich nicht mehr wirklich dran erinnern, wollte wohl einfach nur weg von diesem Wedgie-gebenden Motherfucker. Dann später wollten wir alle ins Hotel. Running Riot sind ja so richtig große, böse, laute Skinheadtypen. Wir standen also alle nachts um zwei in dieser Hotellobby, waren stockbesoffen und laut wie sonstwas. Außer uns war um die Zeit natürlich keiner mehr da unten, so dass die Frau von der Rezeption etwas Schiss bekam und uns prompt die allerbesten Hotelzimmer gab. "Hier habt ihr eure Schlüssel, aber haut bloß ab und laßt mich in Ruhe!" Die hatte echt Todesangst. Al und Ken, die nicht mit auf Sauftour und schon früher im Hotel waren, haben ein richtig versifftes Zimmer bekommen und wir hatten alle voll die Luxussuiten. Nur weil wir mitten in der Nacht besoffen ankamen und rumrandalierten. War schon ein recht netter 18ter Geburtstag...
Was sind jetzt so eure nächsten Pläne für die Zukunft?
Marc: Wir reden gerade über eine Tour mit den POGUES hier bei euch. Das wäre dann im Dezember mein ich. Bis September machen wir ne kleine Pause und dann wieder das übliche Programm: Touren was das Zeug hält. Nach Australien kommen wir auch noch, aber so wirklich habe ich da nicht den Überblick. Ich setz mich meistens einfach in den Bus und lass mich überraschen wo er uns hinfährt. (zu dieser Zeit kommt Al in den Bus und gesellt sich zu uns)
Das war dann auch die letzte Frage. Marc, vielen Dank für das Interview!
Marc: Kein Problem Mann! Sorry nochmal, dass das mit der Gästeliste nicht richtig geklappt hat.
Vielleicht noch ein paar letzte Worte?
Marc: Ääh... Hey Al Barr; ein paar letzte Worte?!
Al: Also ich habe heute morgen im Hotelzimmer ein bißchen Fernsehen geguckt und da war so ne deutsche Popband, die aber auf Englisch gesungen hat. Irgendwas von wegen "More Gasoline, then will be fire between the sheets". Es war schon ziemlich übel, aber das Schlimmste war: Der Pianist trug ein ROGER MIRET & THE DISASTERS T-Shirt...! Ich freu mich schon drauf Roger davon zu erzählen!
www.dropkickmurphys.com
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