Streetpunkbands gibts ja bekanntlich wie Sand am Meer. Die wirklich guten darunter sind dann aber schon wieder rar und gerade bei uns in Deutschland kommt man gerade mal auf eine Hand voll Bands. Die Vaders aus Ibbenbüren gehören ohne Zweifel dazu und standen uns im Interview nicht nur zu ihrem aktuellem Album Rede und Antwort:
Erstmal ein riesen Kompliment für "A Link To The Past", meiner Meinung nach eine der besten Platten aus dem Großraum Streetpunk 2009. Ich vermute bzw. hoffe ihr seid tierisch Stolz auf das Album?
Erst einmal vielen Dank für die Blumen! Bisher haben wir zahlreiche positive Resonanzen auf das Album bekommen und das zeigt uns, dass wir anscheinend etwas richtig machen. Es ist sehr schön zu wissen, dass es Leute gibt, die sich unsere Songs zu Hause oder auch sonst wo anhören. Das macht uns natürlich sehr stolz. Natürlich gibt es immer Dinge, die man im Nachhinein an einer Aufnahme ändern würde, aber unterm Strich sind wir alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
Habt euch ja recht lange Zeit gelassen mit der Veröffentlichung dieser zweiten Platte. Wie kam es dazu?
Die Band war und ist leider nur ein Hobby für uns. Jeder hat seine Verpflichtungen und so ist es nicht immer ganz einfach, die nötige Zeit aufzubringen, um neue Songs zu schreiben und diese zu proben. Wir haben nach dem ersten Album auch nicht das Gefühl gehabt, dass wir direkt wieder neue Songs schreiben müssen. Vielmehr haben wir für die anstehenden Shows geprobt... Die ersten neuen Songideen wurden erst viele Monate später umgesetzt. Wir haben dann sehr viel geschraubt. Als wir mit den ersten Songs einigermaßen zufrieden waren, haben wir sie alle probeweise aufgenommen. Einfach um zu hören, wie sie später auf Platte klingen. Das haben wir in insgesamt vier Sessions gemacht. Alleine diese Aufnahmen haben schon irre viel Zeit in Anspruch genommen. Dann fingen wir schließlich mit den Verbesserungen an, und so verging die Zeit... Naja, und dann mussten wir natürlich das Album noch aufnehmen. Auch dabei haben wir uns sehr viel Zeit gelassen.
Wie kam der Wechsel von Plastic Bomb zu Horror Business Records zu stande?
Mit Dave von Horror Business hatten wir schon lange vor den ersten Demoaufnahmen zum neuen Album Kontakt. Er macht ja nicht nur das Label, sondern veranstaltet auch einen Haufen Shows in Bergkamen und Umgebung. Irgendwann hat er uns mal eingeladen, und so lernte man sich kennen. Als für Plastic Bomb und uns klar war, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kommen wird, haben wir uns an ihn gewendet, da wir wussten, dass er einen echt guten Job mit seinem Label macht. Wir schickten ihm ein paar Songs von den Probeaufnahmen und glücklicherweise war er von ihnen überzeugt.
Und was hat sich sonst so in den 5 Jahren bei euch getan? Seid ihr immer noch alle am studieren bzw. findet ihr zwischen den ganzen Band-Aktivitäten überhaupt Zeit für etwas anderes?
Das ist so eine Sache... Daniel, der noch auf unserem Album das Schlagzeug bedient, fand aufgrund seines Studiums leider keine Zeit mehr für die Band und hat sich somit schweren Herzens von uns getrennt. So etwas kann man leider nicht ändern. Wir haben immer gesagt, dass das Studium/Arbeit Priorität hat, da die Band nun mal nur ein Hobby ist. In dem Moment war das für uns natürlich trotzdem ein Schlag an den Hals, da er fünf Jahre mit uns unterwegs war. Uns war sofort klar, dass er eine große Lücke hinterlassen wird, sowohl menschlich als auch musikalisch. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht, ob es überhaupt noch weiter geht... aber wir hatten gerade dieses Album aufgenommen und wollten nicht einfach aufgeben, da uns restlichen Vaders die Band immer noch unglaublich wichtig war. Mit Henk fanden wir glücklicherweise einen neuen Schlagzeuger, der sich sehr schnell in die Band eingefügt hat. Er ist gerade erst 18 geworden und noch Schüler... und hat somit viel Freizeit. Wir anderen drei bekommen momentan Studium, Arbeit und die Band ebenfalls noch gut unter einen Hut. Ich hoffe sehr, dass das auch noch lange anhält.
Das neue Album habt ihr nicht in einem professionellem Studio aufgenommen sondern in Eigenregie. Wie kam es dazu?
Ganz ehrlich? Wir wollten bzw. MUSSTEN Kohle sparen! Wir hatten ja bereits die Aufnahmen zum ersten Album finanziert und wussten genau, was da auf uns zukommt. Zudem war es uns wichtig, dass wir nicht angesichts finanzieller Gründe während der Aufnahme unter Druck stehen... so ein Studiotag kann gut teuer sein, und wenn man dann mal einen schlechten Tag hat, kann das schon ein ordentliches Loch in die Bandkasse reißen. Ein weiteres Problem war, einen Zeitraum zu finden, in dem wir alle durchgehend Zeit haben. Eine Aufnahme in den eigenen vier Wänden ist da schon eine super Lösung. Man nimmt auf, wenn man mal gerade Zeit hat.
DIY-Alben gibts ja viele, doch eurem hört man es im Gegensatz zu den meisten gar nicht an. Gibts bei euch jemanden mit ner Menge Studio-Erfahrung und/oder haben euch Leute geholfen?
Durch die vielen Demoaufnahmen konnten wir schon im Vorfeld einiges an Erfahrung sammeln. Außerdem hat sich dadurch im Laufe der Zeit bei Manuel ordentlich Studio-Equipment angesammelt. So stand uns bereits einiges zur Verfügung, was für eine gute Aufnahme notwendig ist. Damit die Songs allerdings nicht zu sehr nach einer besseren Demoaufnahme klingen, haben wir uns Leute an Bord geholt, die wirklich etwas von professionellem Aufnehmen verstehen. So ist Phil von Waterdown für den satten Drumsound verantwortlich. Die Gitarren haben wir mit Guido von den Donots aufgenommen. Er hat uns nicht nur sein Equipment geliehen, sondern hatte auch bei einigen Songs so hammer Ideen, dass wir sie direkt eingebaut haben. Dass ein gutes Mastering bei einer Studioaufnahme das A und O ist, wissen selbst wir, und so haben wir Sascha Kramski vom ehemaligen Lauterstudio beauftragt, dem Gesamtwerk den letzten Schliff zu verpassen. Echt Wahnsinn, was der Mann da rausgeholt hat. So entstand eine Aufnahme in den eigenen vier Wänden, die nicht wirklich danach klingt.
Ich weiß vom Demo-Aufnahmen wie langwierig und kopfzerbrechend so ne DIY-Aufnhame sein kann; habt ihr euch während der Aufnahmen nie gewünscht doch in ein richtiges Studio zu gehen?!
Das stimmt! Klarer Nachteil: Es dauert unglaublich lange... im Studio wären wir sicherlich (nicht zuletzt aufgrund unseres Budgets) nach zwei Wochen fertig gewesen. Aber das war uns schon vorher klar. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass man sehr viel ausprobieren kann… wir hatten zwar bereits an den aufgenommen Songs bei den Proben herumgebastelt, aber viele Ideen sind erst bei der endgültigen Aufnahme entstanden. Rückblickend sind wir sehr froh, dass wir unter den gegebenen Umständen nicht ins Studio gegangen sind.
Der DIY-Faktor scheint euch also recht wichtig zu sein. Was macht für euch da den Reiz aus und was haltet ihr hingegen von diesen "Corporate-Punk"-Geschichten a la Vans Warped Tour und so?
Ich würde nicht unbedingt sagen, dass das für uns so wichtig ist. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Wenn man mit den richtigen Leuten zusammenarbeitet, muss es nicht zwingend DIY sein. Ähnlich sehe ich es beim „Corporate-Punk“. Ich persönlich finde solche Veranstaltungen nicht schlimm, so lange die richtigen Leute und Absichten dahinter stecken. Ich denke nicht, dass z.B. die Warped Tour dem Punk Rock schadet, sondern ihn, im Gegenteil, eher verbreitet. Da werden jetzt natürlich einige sagen: „Auf solche Leute (vor allem Kids) können wir verzichten, die sind so Punk wie Tokio Hotel“… aber ich denke, dass die Szene davon lebt, wenn neue, vor allem junge Gesichter, auf den Shows zu sehen sind. Mal ehrlich: Ist man mehr Punk, wenn man den Punk Rock auf einer Show in einem kleinen Club für sich entdeckt hat?
Ihr seid ja auch sehr viel live unterwegs. Könnt ihr noch zählen wie viele Gigs es mittlerweile waren? Und läuft man bei so vielen Terminen nie Gefahr das das ganze von Spass in Pflicht umschlägt?
Ehrlich gesagt haben wir nicht mitgezählt… das war uns auch nie wichtig. Natürlich gab es in der Vergangenheit die eine oder andere bereits zugesagte Show, die im Nachhinein für jemanden von uns an einem ungünstigen Tag stattfand. Ich denke da an Überschneidung mit der Arbeit, vergessene Geburtstage usw. … Da kommt dann schon kurz dieses Gefühl auf, dass es „Pflicht“ sei. Aber das sind ganz klar die Ausnahmen. Für uns gibt es nichts Besseres als live zu spielen. Das ist Spaß pur! Und so lange wir dieses Gefühl miteinander teilen, werden wir Shows spielen.
Gibt es außer den großartigen The Affected eigentlich noch andere Vaders-Nebenprojekte?
Manuel hat sein knapp 10 Jahren ein Deutschpunk Projekt namens „Verpilst & Zugetankt“, wo er singt und Gitarre spielt. Die Jungs darf man nicht immer so ernst nehmen… deren Texte kann man größtenteils auch gar nicht ernst nehmen. Bisher haben sie zwei Demotapes aufgenommen, allerdings nur eine Handvoll Shows gespielt. Ich spiele seit 2007 bei „The Affected“. Auch wir haben bislang noch nicht viel live gespielt, wollen das aber im nächsten Jahr ändern. Aufnahmen sind auch geplant. Das Ganze geht mehr in die Pop-Punk Richtung.
Wie erklärt ihr euch das aus so einer unscheinbaren Stadt wie Ibbenbüren so viele gute Bands kommen? Liegt es am großen Musikgeschäft gleich nebenan?
Früher hatten wir in Ibbenbüren eine sehr lebendige Szene. In unserem Jugendzentrum Scheune spielten namenhafte Bands wie NOFX, Green Day, Good Riddance, No Fun At All, Beatsteaks, Terrorgruppe uvm. … Die Shows fanden fast wöchentlich statt und waren immer sehr stark besucht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sich zu dieser Zeit in Ibbenbüren und Umgebung reihenweise neue und auch sehr gute Bands gründeten. Die bekannteste von ihnen dürften wohl die Donots sein. Ich denke, dass sich viele von den Kids, die damals zu den Shows gegangen sind, von den großen, aber auch kleinen und lokalen Bands, inspirieren ließen. Es war eine Art Kreislauf. Ich gehörte ebenfalls zu diesen Kids. Meine erste Show in der Scheune besuchte ich 1994. Irgendwann wollte ich auch mal auf dieser Bühne stehen und besorgte mir eine Gitarre. Und ja, dank Musik Produktiv ist es in Ibbenbüren nicht sehr schwer, an das passende „Arbeitsmaterial“ zu gelangen. Aber der Laden liefert nur die Instrumente. Die Inspiration kommt von den Bands, der Antrieb durch die Shows… Leider sind diese in Ibbenbüren heute viel seltener und auch kleiner geworden… trotzdem kommt es immer wieder zu Bandgründungen, was mich sehr freut. Der Kreislauf ist noch da, aber bei weitem nicht so ausgeprägt, wie er mal war. Ich hoffe sehr, dass sich das eines Tages wieder ändern wird.
Meine obligatorische Frage nach euren aktuellen Top 5 fehlt natürlich auch nicht...
Peter: 1. Broadway Calls – Good Views, Bad News (Song: Give Up The Ghost) 2. Bad Religion – The Empire Strikes First (Song: Los Angeles Is Burning) 3. One Man Army – Rumors And Headlines (Song: Have Nots And Heartbreaks) 4. The Copyrights – Make Sound (Song: Thinking With The Lights On) 5. The Bouncing Souls – Anchors Aweigh (Song: Kids And Heroes)
Johannes: 1. Muff Potter – Steady Fremdkörper (Song: Die Guten) 2. Nina Simone – Nina Simone’s Finest Hour (Song: Love Me Or Leave Me) 3. Pearl Jam – Backspacer (Song: The Fixer) 4. The Hellacopters – Head Off (Song: In The Sign Of The Octopus) 5. H2O – Nothing To Prove (Song: What Happened)
Henk: 1. Force of Change - In the Shadow of the Leaves (Song: Snow falling on cedars) 2. Blink 182 - Enema of the State (Song: Aliens exist) 3. Deny Everything - Fire this time (Song: A minor disagreement) 4. The Clash - London calling (Song: Guns of Brixton) 5. Broadway Calls - Good views, Bad news (Song: Be all that you cant be)
Manuel: 1. The Lillingtons - Death By Television 2. The Real Danger - S/T 3. The Adverts - Crossing The Red Sea With... 4. Youth Brigade - Sound and Fury 5. Brat Pack - Hate The Neighbours
Vielen Dank fürZs Zeit nehmen! Noch ein paar letzte Worte?
Vielen Dank für Dein Interesse und vor allem für Deine Geduld!
www.myspace.com/vaderskickass
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