Dropkick Murphys, The Bones, B&W 30.06.04 Münster

Meine zwei aktuellen Lieblingbands am gleichen Abend, in der gleichen Stadt im gleichen Club?! So viel Glück habe ich nur selten und darum nehm ich auch gerne die 3-Stunden-Fahrt nach Münster auf mich. Gerade in der Jovel angekommen, legten auch schon Blood Or Whiskey los, welche recht rotzigen Streetpunk mit irischen Einflüssen machen. Eigentlich nicht schlecht, aber absolut nix besonderes. Sie reichen weder an die Power der Murphys, noch an die Harmonie von Flogging Molly heran, im Großen und Ganzen irgendwie eher Gesichtslos und ohne Wiedererkennungswert... Wir nutzten dann die Zeit um uns am Merch-Stand ausgiebig mit neuer Abendgarderobe auszustatten. Ist schon fast traurig, dass Multimillionäre wie Metallica bei Gigs 30 € für ein Shirt nehmen (und dann noch über CD-Piraterie rumheulen), und "kleine" ewig-tourende Bands wie die Bones ihre T-Shirts (12 €) so gut wie verschenken...
Letztere starteten dann auch gleich mit den Openern Spit It Out, Do You Wanna und Half Of Nothing (alle vom neuen Album) durch und bewiesen einmal mehr, dass man in Schweden den Rock&Roll scheinbar in Dosen kaufen kann. In der guten halben Stunde boten sie dann ohne jegliche Verschnaufspause eine Auswahl aus allen 3 Alben, und zwar mit absoluter Coolness, perfektem Zusammenspiel und und gnadenloser Rock&Roll-Spielfreude. Die Bones verkörpern sogar nach ihrem Gig beim Equipment-abbauen Rock&Roll pur. Verdammte Götter, diese Schweden...
Nach dem eigentlich recht nervig-langweiligem Chieftains-Intro (ja, ja: die stehen halt auf Tradition...) legten die Murphys dann endlich mit For Boston los und verwandelten die Jovel dann endgültig in einen tobenden, schwitzenden, abfeiernden Haufen aus Punkrockern, Skins, Billys, Hools und wasweißich für Leuten. Die habens einfach drauf; anders kann man das nicht sagen! Der neue Piper steht Spicey in nichts nach, und auch die zwei Typen die nur bei ein paar Songs Akkordeon und Mandoline spielen, sind genauso wie der feste Kader der Band perfekt aufeinander eingespielt. Den neuen Song Tessie kündigte Ken mit einem "Who likes baseball?" an und bekam darauf vom Publikum ein stilles Schweigen als Antwort. Da hat er wahrscheinlich wohl vergessen dass hierzulande mit Baseballschlägern eher Kampfsport betrieben wird... Bei manchen Songs spielt Mark jetzt auch noch Orgel; einfach perfekte Musiker die Typen und bei Dirty Glass sang dann natürlich wieder Stephanie mit, welche jetzt auch noch bei einem neuen Song (ein Duett mit Al) mitmacht. In erster Linie spielte man Sachen von den neueren Platten, allerdings wurden auch ein paar Klassiker zum besten gegeben, Momente zum Luft holen gab es, wenn überhaupt, nur bei den langsameren Songs. Der Abend nahm dann mit dem traditionell letztem Song Skinhead On The MBTA (mit fast dem kompletten Publikum auf der Bühne) ein würdiges Ende und wir machten uns überzufrieden auf den Weg in Richtung Ostfriesland.

Sascha Eckert

Livereviews
Nightmare at Christmas 25.12.04 Erlangen